Web3-Glossar
54 Begriffe, je 3 Sätze, ohne Blabla — von der Seed bis zur Nonce. Mit Links zu Tools und Guides, wo du jeden Begriff anfassen kannst.
54 Begriffe
Kein Treffer — versuch es mit einem englischen Begriff (z. B. „nonce" statt „Zähler").
Seed Phrase
12 oder 24 englische Wörter nach BIP39 — der Generalschlüssel deines Wallets. Aus ihr werden deterministisch alle Private Keys und Adressen abgeleitet: gleiche Wörter, gleiche Konten, in jedem kompatiblen Wallet der Welt. Wer sie hat, hat alles — deshalb Papier oder Stahl, zwei Orte, niemals digital.
Private Key
Die geheime Zahl, mit der Transaktionen signiert werden — pro Chain einer, abgeleitet aus der Seed (BIP32/BIP44). Er bleibt geheim und verlässt bei Hardware-Wallets nicht einmal den Chip. Regel: Private Key und Seed sieht niemand — kein Support, keine Verifizierung, kein Airdrop.
Adresse
Die öffentliche Empfangsadresse — per Einweg-Mathematik aus dem Private Key berechnet (bc1… bei Bitcoin, 0x… bei Ethereum, Base58 bei Solana). Umkehren geht nicht, teilen darfst du sie. Ob eine Adresse formal gültig ist, prüft der Adress-Validator anhand von Format und Prüfsumme.
Entropie
Echter Zufall, aus dem alles entsteht — im Browser via window.crypto.getRandomValues(), einer kryptografisch sicheren Systemquelle. 256 Bit bedeuten 2²⁵⁶ Möglichkeiten: mehr als Atome im sichtbaren Universum. Raten ist keine Option; schwacher Zufall (z. B. Math.random()) dagegen schon oft geplündert worden.
BIP39 / BIP32 / BIP44
Drei offene Standards, auf denen fast jedes Wallet ruht: BIP39 macht aus Zufall 12–24 Wörter, BIP32 baut daraus einen hierarchischen Schlüsselbaum (ein Master, beliebig viele Kinder, deterministisch), BIP44 adressiert die Äste pro Chain (m / Zweck' / Coin' / Konto' / …). Offen heißt: deine Wörter funktionieren in jedem kompatiblen Wallet — es gibt kein Vendor-Lock-in.
Ableitungspfad
Die „Ordneradresse" im Schlüsselbaum, z. B. m/84'/0'/0'/0/0 für Bitcoins erste Native-SegWit-Adresse oder m/44'/60'/0'/0/0 für Ethereums erstes Konto (60 = Ethereum, 501 = Solana). Der Wallet Generator nutzt exakt die Standard-Pfade — darum sind seine Adressen in Sparrow, MetaMask oder Phantom importierbar.
Prüfsumme
In die Adresse eingebaute Fehlererkennung: Vertippte Zeichen lassen die Prüfung fehlschlagen, statt Geld an eine falsche Adresse zu schicken. Je nach System steckt sie in Bech32 (Bitcoin SegWit), Base58Check (Bitcoin Legacy, doppelte SHA-256) oder der Groß-/Kleinschreibung (EIP-55 bei Ethereum). Prüfen statt hoffen: Adress-Validator.
EIP-55
Der Ethereum-Trick, eine Prüfsumme ohne ein einziges Extra-Zeichen unterzubringen: Sie steckt in der Groß-/Kleinschreibung der Hex-Adresse (per Keccak-Hash bestimmt). Eine komplett kleingeschriebene Adresse ist formal ok, trägt aber keine Prüfsumme — Tippfehler fallen dann nicht auf. Nutze immer die gemischte Schreibweise.
Bech32 / Bech32m
Bitcoins moderne Adresskodierungen: bech32 (BIP173) für Native-SegWit-Adressen (bc1q…), bech32m (BIP350, neue Prüfsummen-Konstante) für Taproot (bc1p…). Kleingeschrieben, fehlererkennend, QR-freundlich — und nicht austauschbar: Eine v0-Adresse mit bech32m-Prüfsumme ist ungültig und umgekehrt.
SegWit & Taproot
Zwei Bitcoin-Upgrades mit eigenen Adresstypen: SegWit (2017, bc1q… bzw. 3…) trennt Signaturen ab und senkt Gebühren; Taproot (2021, bc1p…) bringt Schnorr-Signaturen und diskretere Smart Contracts. Alt sind 1…-Adressen (Legacy, Base58Check) — sie funktionieren, kosten aber mehr.
Wei, Gwei & Gas
Ethereums drei Einheiten für dieselbe Währung: Wei (kleinste Einheit, 10⁻¹⁸ ETH — intern zählt alles in Wei), Gwei (10⁹ Wei — darin werden Gas-Preise angegeben, z. B. 21 Gwei), Ether (Handelseinheit). Faustregel: 1 ETH = 10⁹ Gwei = 10¹⁸ Wei — exakt umrechnen (mit BigInt, ohne Rundung) kannst du im ETH Unit Converter.
Nonce
Der Transaktionszähler deiner Ethereum-Adresse: strikt aufsteigend ab 0, lückenlos. Jede Transaktion erhöht ihn um eins — fehlt eine Nonce (z. B. im Mempool versauert), blockiert sie alle danach. Lösung: Lücke gezielt nachsenden oder per Ersatz-Transaktion (gleiche Nonce, höherer Gas-Preis) stornieren. Details: Was ist eine Nonce?.
UTXO
Unspent Transaction Output — Bitcoins Buchhaltung kennt keine Kontostände, nur unverbrauchte Münzen. Transaktionen geben Münzen aus (Inputs) und erzeugen Wechselgeld (Outputs); die Gebühr ist die Differenz dazwischen. Viele Kleinstmünzen zusammenzukehren ist teuer (Signaturen) — bei niedrigen Gebühren konsolidieren. Gegenmodell: Account-Modell.
Account-Modell
Ethereum und Solana führen echte Konten: Adresse → Saldo (plus Nonce bei Ethereum). Gebühren sind explizit (Gas-Preis × Verbrauch), der Betrag fast egal — eine simple Überweisung kostet immer gleich viel. Adress-Wiederverwendung ist normal; Privatsphäre entsteht durch Trennung, nicht durch Wechselgeld. Gegenmodell: UTXO.
Mempool
Die Warteschlange unbestätigter Transaktionen jedes Netzwerkknotens. Bei Andrang bieten Transaktionen per Gebühr um Blockplatz — wer zu niedrig bietet, wartet (oder hängt, siehe Nonce). Der Mempool ist der ehrlichste Gebührenmarkt der Welt: live einsehbar, ohne Anmeldung, ohne Gnade.
Self-Custody
Selbstverwahrung: Du hältst die Schlüssel selbst, statt sie einer Börse anzuvertrauen („not your keys, not your coins"). Alle Freiheit — keine Passwort-vergessen-Funktion, kein Support, der etwas rückgängig macht. Voraussetzung: verstandene Seed-Verwahrung, getestetes Backup, ein Plan für den Ernstfall. Einstieg: Wie ein Wallet wirklich entsteht.
Hardware-Wallet
Separates Gerät, das Schlüssel erzeugt und Transaktionen signiert, ohne den Schlüssel je preiszugeben — selbst ein verseuchter Rechner sieht nur fertige Signaturen. Standard für Ersparnisse. Schützt aber nicht vor Fehlbedienung: Seed handschriftlich sichern, Wiederherstellung testen, Empfangsadresse am Geräte-Display prüfen. Ritual: Hardware-Wallet richtig nutzen.
Multisig
Ein Konto, mehrere Schlüssel: Erst z. B. 2 von 3 Signaturen bewegen das Geld. Kein einzelner Verlust, Diebstahl oder Fehler ist fatal — ideal für Firmen, Familien und Erbschaftsplanung. Preis: mehr Komplexität beim Einrichten und ein dokumentierter Prozess, wer welchen Schlüssel wo hält.
Watch-only & xpub
Beobachten ohne Ausgeben: Der erweiterte öffentliche Schlüssel (xpub bei Legacy, zpub bei Native SegWit) leitet alle Adressen eines Kontos ab — Guthaben einsehen ja, ausgeben nein. Perfekt für Steuer-Tools und Kassensturz, ohne den Private Key je anzufassen. Aber Vorsicht: Ein xpub verrät deine komplette Zahlungshistorie — nur an Dienste geben, denen du das gönnst.
Paper Wallet
Schlüssel auf Papier: Seed oder Adresse ausdrucken (oder abschreiben) und offline verwahren — feuerfest wird's erst auf Stahl. Der Wallet Generator hat dafür extra eine Druckansicht (nur Seed, Adressen und QR-Codes, ohne Buttons und Erklärungen). Für Kleinstbeträge und Geschenke ok; für Ersparnisse lieber Hardware plus getestetes Backup.
Öffentlicher Schlüssel
Der Zwischenschritt zwischen Private Key und Adresse: Aus dem geheimen Schlüssel wird per elliptischer Kurvenmathematik zunächst ein öffentlicher Schlüssel berechnet, und aus diesem wiederum die Adresse — Rückwärts geht nichts. Darum darfst du die Adresse teilen, den öffentlichen Schlüssel aber meist nicht (er kann deine Adresshistorie verraten). Für die meisten Nutzer:innen ist der Public Key unsichtbarer Hintergrund, aber er erklärt, warum Private Keys so hartnäckig geheim bleiben müssen.
Hash
Ein digitaler Fingerabdruck: Jede beliebige Eingabe wird durch eine Einwegfunktion (z. B. SHA-256, Keccak-256) auf eine fixe Länge gekürzt — bei Bitcoin und Ethereum hängt alles davon ab. Aus einem Hash lässt sich der Originalinhalt nicht zurückrechnen, und winzige Änderungen produzieren völlig andere Ausgaben. Prüfsummen, Block-Verkettung und Adressableitungen sind deshalb Hash-Anwendungen, die das System vertrauenslos machen.
Token
Nicht jeder „Coin" hat eine eigene Blockchain: Token laufen auf einer bestehenden Chain, meist Ethereum. ERC-20 ist der Standard für austauschbare Token wie USDC oder Uniswap, ERC-721 für einmalige NFTs. Sie sind im Grunde Smart-Contract-Konten, die Guthaben und Besitz protokollieren — der eigentliche Wert kommt aus dem Vertrag darunter.
Smart Contract
Programmierbarer Code auf der Blockchain, der Regeln automatisch und unveränderlich ausführt — ein Vertrag, der keinen Notar braucht. Auf Ethereum laufen sie in der EVM und bezahlen jede Aktion mit Gas. Fehler im Code sind teuer: Einmal deployed, kann niemand einfach „abschalten", darum gehört Auditieren vor dem Vertrauen.
Blockchain
Ein verteiltes, chronologisch verkettetes Kassenbuch: Jeder Block speichert Transaktionen und den Hash seines Vorgängers, was nachträgliches Ändern ausschließt. Statt einer Bank validieren tausende Knoten den Konsens — offen, ohne Erlaubnis, aber mit Kosten pro Operation. Sie ist die Leinwand, auf der Adressen, Token und Smart Contracts existieren.
Cold Wallet & Hot Wallet
Hot Wallets sind online (Browser-Extension, App) und bequem — aber angreifbar. Cold Wallets halten den Private Key offline: Hardware-Wallets, Paper-Wallets oder gar nicht ans Netz angeschlossene Rechner. Für Kleinstbeträge und Alltag reicht Hot, für Ersparnisse und Firmenbudgets ist Cold das Minimum.
Testnet & Mainnet
Mainnet ist das echte Netzwerk mit echtem Geld; Testnet (Ethereum: Sepolia, Solana: Devnet, Bitcoin: eigenes Testnet) simuliert dasselbe Protokoll mit wertlosen Coins aus einem Faucet. Ein neues Tool, eine unbekannte Adresse oder ein frisch gebautes Wallet zuerst auf Testnet auszuprobieren, kostet nichts außer ein paar Klicks. Verwechslungsgefahr: Eine Mainnet-Adresse akzeptiert Testnet-Coins zwar formal, sie sind aber wertlos — echtes Geld landet nie aus Versehen im falschen Netz.
Dust & Dusting Attack
Dust sind winzige UTXOs, oft wert weniger als die Gebühr, sie auszugeben — digitaler Bodensatz. Bei einer Dusting Attack schickt jemand absichtlich Mini-Beträge an viele Adressen, um beim späteren Zusammenführen (Coin Control) Adressen demselben Besitzer zuzuordnen und die Privatsphäre zu brechen. Gegenmittel: verdächtigen Dust einfach liegen lassen statt auszugeben, und beim Senden auf Coin-Control-Funktionen achten, die Inputs bewusst wählen lassen.
Replace-By-Fee (RBF)
Replace-By-Fee (BIP125) erlaubt, eine noch unbestätigte Bitcoin-Transaktion durch eine neue mit höherer Gebühr zu ersetzen — praktisch, wenn im Mempool nichts vorangeht. Voraussetzung: Die Original-Transaktion muss das RBF-Flag gesetzt haben, sonst bleibt nur Abwarten oder eine Child-Pays-For-Parent-Transaktion. Ethereums Pendant ist simpler: gleiche Nonce, höherer Gas-Preis, fertig.
BIP39-Passphrase (25. Wort)
Ein optionales, selbst gewähltes Zusatzwort (oder Satz) zur Seed Phrase — kryptografisch wie ein 25. Wort behandelt. Jede Passphrase erzeugt ein komplett eigenes, verstecktes Wallet aus derselben Seed: Wer nur die 24 Wörter kennt, sieht ein leeres oder unwichtiges Konto, das echte Vermögen liegt hinter der Passphrase. Kehrseite: Die Passphrase selbst ist nirgends gespeichert — sie vergessen heißt, das Wallet dahinter unwiderruflich zu verlieren.
Vanity-Adresse
Eine Adresse mit gewünschtem Muster am Anfang (z. B. bc1qcafe… oder 0x000…), erzeugt durch Ausprobieren tausender bis Millionen zufälliger Schlüssel, bis einer passt — reines Brute-Force, keine Abkürzung. Je länger das Wunschmuster, desto exponentiell länger die Suche: Jedes weitere Zeichen multipliziert den Aufwand. Sicherheitshinweis: Vanity-Adressen aus fremden Online-Generatoren sind ein Risiko — der private Schlüssel muss lokal entstehen, sonst kennt ihn jemand anders.
Konsens: PoW & PoS
Wie sich tausende fremde Rechner ohne Chef auf eine gemeinsame Wahrheit einigen: Proof of Work (Bitcoin) lässt Miner um die Lösung eines Rechenrätsels konkurrieren — der Sieger schreibt den nächsten Block und bekommt eine Belohnung. Proof of Stake (Ethereum seit 2022, Solana) ersetzt Rechenleistung durch hinterlegtes Kapital: Validatoren setzen eigene Coins als Pfand, falsches Verhalten kostet den Einsatz. Beide Modelle lösen dasselbe Problem — Sicherheit ohne Vertrauen — nur der Preis dafür unterscheidet sich: Energie bei PoW, Kapitalbindung bei PoS.
RLP
Recursive Length Prefix ist Ethereums Serialisierungsformat: verschachtelte Byte-Listen, Feld für Feld, ganz ohne Feldnamen — jede Transaktion ist genau so eine Liste. Der Typ steckt im allerersten Byte (0xc0… Legacy, 0x01 Typ 1, 0x02 Typ 2). Wer Raw-Hex lesen kann, versteht, was eine Wallet wirklich signiert.
EIP-1559
Das Gebührenmodell von Ethereum seit 2021: Statt eines einzigen Gas-Preises gibt es eine Base Fee, die je nach Auslastung steigt und fällt — und verbrannt wird statt an Miner zu gehen. Nutzer bieten zusätzlich eine Priority Fee (Trinkgeld) und setzen ein Max-Fee-Limit. Transaktionen dieses Typs heißen Typ-2 und sind heute der Standard; die Differenz zwischen Max-Fee und tatsächlichen Kosten wird erstattet.
EIP-191
Der Standard für signierte Nachrichten: Eine Wallet signiert beliebigen Text, jeder kann mit Adresse und Signatur prüfen, ob die Aussage wirklich von dieser Adresse stammt — ganz ohne Blockchain-Transaktion. Das Präfix \x19Ethereum Signed Message verhindert, dass eine Nachricht versehentlich als Transaktion interpretiert wird. Typischer Einsatz: Login-Nachweise („Sign in with Ethereum") und Echtheitsbeweise.
x402
Ein Zahlungsprotokoll für KI-Agenten: Statt API-Keys schickt ein Agent bei HTTP-Status 402 Payment Required eine Kryptozahlung (meist Stablecoins) und erhält die Antwort — maschinenlesbar, ohne Konto, in Sekunden. Seit 2025 konkurrieren mehrere Protokolle um diesen Standard; ob und welches sich durchsetzt, ist offen. Relevant, weil Agenten damit erstmals selbstständig Dienstleistungen einkaufen können.
Quishing
Phishing per QR-Code: Der Mensch sieht nicht, was im Code steht — genau das nutzen Angreifer aus, etwa durch überklebte QR-Codes auf Parkautomaten oder manipulierte Links in Mails. Ein QR-Code beweist nur fehlerfreie Übertragung, niemals den Absender. Verteidigung: Nach dem Scannen die dekodierte Adresse mit der Quelle vergleichen und erst dann senden — bei Krypto-Adressen hilft dabei eine Prüfsummen-Kontrolle.
Satoshi (sat)
Die kleinste Bitcoin-Einheit, benannt nach dem Pseudonym des Erfinders: 1 BTC = 100.000.000 sat. Gebühren werden in sat/vByte angegeben, Beträge im Alltag zunehmend in sats statt in Bruchteilen von Bitcoin. Im Lightning-Netzwerk wird intern sogar in Millisatoshi (msat) gerechnet — Bitcoins Pendant zu Ethereums Wei.
Halving
Alle 210.000 Blöcke (rund vier Jahre) halbiert sich die Belohnung, die Miner pro Block neu erzeugen dürfen — zuletzt im April 2024 von 6,25 auf 3,125 BTC. Dadurch nähert sich die Gesamtmenge asymptotisch knapp 21 Millionen an; die Regel steht im Protokoll, nicht im Ermessen einer Zentralbank. Langfristig müssen Transaktionsgebühren die Sicherheit des Netzes finanzieren.
Lightning Network
Ein Zahlungsnetz über Bitcoin: Zwei Parteien öffnen einen Zahlungskanal mit einer On-Chain-Transaktion, danach wandern beliebig viele Zahlungen sofort und fast gebührenfrei hin und her — erst das Schließen landet wieder auf der Blockchain. Über verkettete Kanäle erreicht man auch Fremde; Rechnungen beginnen mit lnbc…. Ideal für Kleinbeträge, weniger für große Summen, die man jahrelang liegen lässt.
Bestätigungen & Finalität
Eine Transaktion ist erst sicher, wenn genug Blöcke auf ihr aufbauen. Bei Bitcoin gilt jeder neue Block (~10 Minuten) als eine Bestätigung; sechs gelten als Konvention für große Beträge. Ethereum kennt echte Finalität: Nach zwei Epochen (rund 13 Minuten) ließe sich ein Block nur noch zurückdrehen, wenn Validatoren riesige Summen ihres Einsatzes opfern.
Soft Fork & Hard Fork
So ändern Blockchains ihre Regeln: Ein Soft Fork verschärft sie abwärtskompatibel — alte Knoten laufen weiter (Beispiele: SegWit, Taproot). Ein Hard Fork lockert oder ändert sie so, dass alte Software neue Blöcke ablehnt; ziehen nicht alle mit, spaltet sich die Chain (Ethereum Classic 2016, Bitcoin Cash 2017). Nach einer Spaltung existieren deine Coins auf beiden Ketten — Vorsicht vor Replay-Angriffen und dubiosen „Claim“-Tools, die nach der Seed fragen.
Block Explorer
Die Suchmaschine für eine Blockchain: Adresse, Transaktions-Hash oder Blocknummer eingeben und sehen, was passiert ist — z. B. mempool.space für Bitcoin, Etherscan für Ethereum, Solscan für Solana. So prüfst du selbst, ob eine Zahlung bestätigt ist, statt einem Screenshot zu glauben. Zwei Regeln: Ein Explorer braucht nie deine Seed, und jede Abfrage verrät dem Betreiber, welche Adressen dich interessieren.
Stablecoin
Ein Token, der den Wert einer staatlichen Währung abbildet — meist 1:1 durch Bankguthaben und Staatsanleihen gedeckt (USDC, USDT, EURC). Er verbindet Blockchain-Geschwindigkeit mit Euro- oder Dollar-Stabilität und ist das Rückgrat von Agent-Payments und DeFi. Das Risiko liegt beim Emittenten: Deckung, Einfrierfunktion im Contract und Regulierung — algorithmische Stablecoins ohne echte Reserven sind bereits kollabiert (TerraUSD, 2022).
Layer 2 & Rollups
Netzwerke, die Transaktionen außerhalb von Ethereum bündeln und nur komprimierte Daten plus Beweis auf die Hauptkette schreiben — dadurch Cent- statt Euro-Gebühren. Optimistic Rollups (Arbitrum, Optimism, Base) gehen von Ehrlichkeit aus und erlauben eine Einspruchsfrist (Abhebungen dauern oft ~7 Tage), ZK-Rollups liefern einen mathematischen Gültigkeitsbeweis. Wie dezentral ein Rollup wirklich ist, unterscheidet sich stark — L2BEAT bewertet das öffentlich.
Bridge
Eine Bridge bewegt Werte zwischen Blockchains, die nichts voneinander wissen: Meist wird der Coin auf Kette A gesperrt und auf Kette B eine „wrapped“ Kopie ausgegeben. Genau diese Sperrtresore sind beliebte Angriffsziele — die Hacks von Ronin und Wormhole (2022) kosteten zusammen fast eine Milliarde Dollar. Faustregel: offizielle Bridges der jeweiligen Chain nutzen, nur nötige Beträge rüberschicken, nicht dauerhaft auf der fremden Seite parken.
DeFi
Decentralized Finance: Finanzdienste als Smart Contracts — tauschen, verleihen, leihen, verzinsen, ohne Bank und ohne Kontoeröffnung. Jeder kann den Code prüfen und rund um die Uhr teilnehmen; Sicherheiten und Liquidationen regelt das Protokoll automatisch. Die Kehrseite: Programmierfehler, manipulierte Preisfeeds und fehlender Einlagenschutz — Rendite ist hier immer auch Risikoprämie.
DEX & AMM
Eine dezentrale Börse (DEX) ohne Orderbuch: Statt Käufer und Verkäufer zu matchen, handelst du gegen einen Liquiditätspool, dessen Preis eine Formel bestimmt — beim klassischen Automated Market Maker x · y = k. Große Trades verschieben den Preis (Slippage), Liquiditätsanbieter tragen das Risiko des „Impermanent Loss“. Vor jedem Swap: Token-Adresse prüfen und ein Slippage-Limit setzen.
Oracle
Smart Contracts sehen nur ihre eigene Blockchain — wie viel ein Euro kostet oder wer ein Fußballspiel gewonnen hat, wissen sie nicht. Ein Oracle bringt solche externen Daten on-chain, meist über ein Netzwerk unabhängiger Anbieter (z. B. Chainlink). Weil DeFi-Kredite und Liquidationen an diesen Kursen hängen, gehören manipulierte Oracles zu den häufigsten Ursachen großer Exploits.
MEV & Front-Running
Maximal Extractable Value: der Gewinn, den sich Block-Produzenten und Bots durch geschicktes Einsortieren, Einfügen oder Weglassen von Transaktionen sichern. Klassiker ist die Sandwich-Attacke: Ein Bot sieht deinen DEX-Swap im Mempool, kauft davor und verkauft danach — du zahlst den schlechteren Kurs. Schutz: enge Slippage-Limits und RPC-Endpunkte, die Transaktionen privat statt über den öffentlichen Mempool senden.
Token-Freigabe (Approval)
Bevor eine DEX oder ein anderer Contract deine ERC-20-Token bewegen darf, erteilst du per approve eine Freigabe — oft unbegrenzt und dauerhaft. Wird der Contract gehackt oder war er von Anfang an ein „Drainer“, kann er das freigegebene Guthaben jederzeit abziehen, ganz ohne weitere Signatur. Deshalb: nur benötigte Beträge freigeben, bei gasfreien „Permit“-Signaturen genauso misstrauisch sein und alte Freigaben regelmäßig widerrufen.
Account Abstraction
Macht aus dem Konto selbst einen programmierbaren Smart Contract: Mehrfachsignatur, Tageslimits, Wiederherstellung über Vertraute oder Gebühren, die ein Dritter (Paymaster) zahlt. ERC-4337 (seit 2023) setzt das ohne Protokolländerung über eigene „UserOperations“ um; EIP-7702 (Pectra-Upgrade, Mai 2025) lässt auch normale Adressen Contract-Code nutzen. Chance und Risiko zugleich: Eine böswillige Delegation kann ein Konto genauso vollständig übernehmen.
ENS (.eth-Namen)
Der Ethereum Name Service übersetzt lesbare Namen wie alice.eth in Adressen — ähnlich wie DNS für Webseiten. Namen werden jährlich gemietet und können auch Adressen anderer Chains, Webseiten oder Profile speichern. Bequem, aber kein Echtheitsbeweis: Vor dem Senden die aufgelöste Adresse ansehen, denn Tippfehler- und Doppelgänger-Namen sind ein beliebter Betrugstrick.
MiCA
Die EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte ((EU) 2023/1114) — das erste umfassende Krypto-Regelwerk eines großen Wirtschaftsraums. Seit Juni 2024 gelten die Regeln für Stablecoins (E-Geld-Token und vermögenswertreferenzierte Token), seit Dezember 2024 der Rest: Börsen, Verwahrer und Broker brauchen eine Lizenz als Kryptowerte-Dienstleister (CASP), in Deutschland über die BaFin. Nicht erfasst sind echte Self-Custody-Wallets und die meisten NFTs — deine eigenen Schlüssel bleiben deine Sache.
Begriff verstanden — und jetzt?
Nachschlagen ist der Anfang, Anfassen der Rest: Wallet erzeugen, Adresse prüfen, Einheiten umrechnen — alles lokal im Browser. Und wenn es um echte Beträge, Firmen-Setups oder Agent-Payments geht, hilft ein Gespräch.